Sie befinden sich hier: Startseite » St. Johannes Spelle » Aktuelles
veröffentlicht am 14.08.2026

200 Jahre eigenständige Kirchengemeinde St. Johannes Spelle

Heutiges Siegel der Kirchengemeinde SpelleIm Pfarrbüro kam vor einiger Zeit die Anfrage vom Heimatverein Dreierwalde zu einer Führung auf dem alten Kirchplatz. Als Gästebegleiterin war dies für mich eine Herausforderung, da es meine erste Führung auf dem neugestalteten Kirchplatz war. 

So befasste ich mich intensiv mit der Entwicklung der Kirchengeschichte in Spelle. Dabei bin ich auf eine Urkunde gestoßen, in der Spelle am 16. August 1826 zu einer eigenständigen Pfarrei erhoben wurde - also vor genau 200 Jahren! 

Spelle war von alters her keine eigene Kirchengemeinde. Sie gehörte als Bauernschaft zur Pfarrei Lünne. Daran erinnert heute noch der „Lünner Kirchweg“. Im 17. Jahrhundert besuchten die Bewohner den Gottesdienst auf dem Buthof in Moorlage oder seit 1717 den Gottesdienst in Altenlünne oder Venhaus. Spelle gehörte offiziell zur Kirchengemeinde Lünne, wo auch die Kirchenbücher geführt wurden. 

Als aber 1770 die Kapellenmauern zu Venhaus baufällig wurden, forderte Herr von Landsberg, der Besitzer der Burg Venhaus, die Speller dazu auf, sich an den Baukosten zu beteiligen. Daraufhin beschlossen sie, eine eigene Kapelle zu bauen. 

Dabei stießen sie auf viele Schwierigkeiten mit der Muttergemeinde Lünne. Sie wollten nicht auf den Unterhalt von Spelle verzichten. 1778 wurde eine neue Kapelle auf dem Hof des Bauern Wöhle in einfacher Bauweise errichtet. „Ein Holzbau in Fachwänden, wüst und ohne Stil“ so schreibt Pastor Schriever.
Von da an gab es in Spelle an Sonn- und Feiertagen einen Gottesdienst, dazu wurde der Kaplan aus Lünne geschickt. Die Kluse am Wöhlehof erinnert an diese Kapelle. 

Die Bewohner von Spelle strebten aber weiterhin an, eine eigenständige Kirchengemeinde zu werden. Immer wieder stellten sie Gesuche an die königliche Regierung mit der Bitte, dauerhaft einen Geistlichen im Dorf zu haben.
1793 wurde den Spellern das Gesuch genehmigt unter folgenden Bedingungen: 

1. mussten die Speller weiterhin zum Unterhalt der beiden Geistlichen in Plantlünne, zu den Kosten der Gottesdienste und der Notkirche beitragen 

2. durften die Speller keine eigene Wohnung für ihren Hilfsgeistlichen erbauen, sondern ihn nur in einer Privatwohnung unterbringen. 

Aber die Bewohner von Spelle gaben nicht auf. Es gestaltete sich schwierig und oft unter großen Protest der Muttergemeinde. Und so gelang es nach langen und harten Verhandlungen, dass die katholische Kaplanei zu Spelle zu einem selbständigen Kirchspiel und zu einer Pfarrei wurde. 

Am 16. August 1826 erhob Weihbischof Karl Klemens von Gruben durch Urkunde die Kapellengemeinschaft Spelle zu einer eigenständigen Pfarrei.  

Die feierliche Zeremonie der Pfarreierhebung sowie die Einführung des Pfarrers fand aber erst am 08. Juli 1827 statt. Erster Pfarrer von Spelle war Gerhard Dreyer. 

1867 fassten die Bewohner den Beschluss, nach langen Jahren religiöser Wirren und mancherlei Auseinandersetzungen, eine Kirche zu bauen. 7695 Taler mussten aufgebracht werden. Im Oktober 1870 wurde die Kirche feierlich eingeweiht. 

Dank einiger hartnäckigen Vorfahren sind wir heute eine eigenständige Kirchengemeinde mit Pfarrer und mehreren Geistlichen, einer Kirche und Pfarrhaus! 

Dies ist eine Kurzfassung der Kirchengeschichte. Ausführliche Berichte stehen in den Büchern „Spelle – Heimatkunde eines Dorfes“ von Helmut Boyer und „50 Jahre St. Johannes-Kirche Spelle 1970 -2020“.  

Agnes Stratmann